Das Fürstentum Liechtenstein war einstmals eines jener Paradies für Steuerhinterzieher, in dem Stiftungen dafür sorgen sollten, dass Bürger aus anderen Ländern ihre Steuerpflicht umgehen konnten – illegal wohlgemerkt. Dies gehört jedoch der Vergangenheit an. Anders als die Schweiz, welche die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat, und sich vehement und immer noch an ihre Festung klammert, weht in Liechtenstein inzwischen ein ganz anderer Wind.
Laut des offiziellen Webauftritts des Fürstentums sind über 15 Prozent der in Liechtenstein Erwerbstätigen in der Finanzdienstleistungsbranche tätig. Und: Die Finanzdienstleistungsbranche als solche trägt um die 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.
Liechtenstein musste sich also die Frage stellen: Wie wollen wir weitermachen, nachdem im Jahr 2008 Hunderte von Steuersündern aufgeflogen sind und so mancher Steuerbetrüger sein Konto leerräumte – oder auch leerräumen musste.
Inzwischen wurden die Gesetze verschärft, und das Fürstentum hat sich, nach anfänglichen Schwierigkeiten und lautem Gepolter, dann doch dazu entschieden, eine Null-Toleranz-Politik zu fahren.
Denn: Der wichtige Finanzplatz Liechtenstein hätte sonst viele Kunden verloren. Mit 15 Banken, 401 Treuhandgesellschaften, 47 Versicherungsunternehmen, 27 Fondsgesellschaften, die etwas 360 Investmentfonds beherbergen und 163 Investmentgesellschaften musste eine klare Linie gezogen werden.
Und dies setzt das Fürstentum inzwischen um. Wie Regierungschef Klaus Tschütscher heute mitteilte, gab es im vergangenen Jahr 24 Prozent mehr Verdachtsfälle hinsichtlich Geldwäsche als noch im Jahr 2008 (Deutschland hat übrigens zur Vorbeuge derselben ein so genanntes Geldwäschegesetz erlassen). Fast drei Viertel dieser Verdachtsmeldungen wurden an die Staatsanwaltschaft weitergegeben (für Deutschland finden sich unter http://www.investmentsparen.net/schwarzgeld-steuerhinterziehung.html einige Statistiken zu den Erfolgen der Steuerfahndung).
Interessant ist hier vor allem eines: 63 Prozent der Meldungen kommen durch interne Untersuchungen der Liechtensteiner Finanzbehörden zustande. Aber auch Treuhänder, die das Vermögen anderer im Auftrag verwalten, erstatteten Meldung, wenn ein Verdacht bestand, und auch 12 der Liechtensteiner Banken gaben Meldungen an die Finanzbehörden weiter.
Es funktioniert also, das neue System in Liechtenstein. Dem Land scheint es, nach so mancherlei Geldabzügen nach dem Hochkochen des Steuerskandals 2008, wieder gut zu gehen. Während der Aufschrei erst groß war, konnte Liechtenstein im Zuge der ganzen Steuerermittlungen feststellen, dass es einen Zulauf an Kunden gegeben hatte, der den Abzug aller Kunden ersetzen konnte.
Während die Schweiz weiter auf ihr System beharrt, zeigt Liechtenstein, dass es auch anders gehen kann. Und das auf ganz legalem Wege…

