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Vorsorge

Falsche Renteninformationen und Falschberechnungen bei Rentenbescheiden

20. August 2012 –

Das Bundesversicherungsamt deckt schwere Mängel auf

Bereits in der Vergangenheit fiel die Deutsche Rentenversicherung Bund negativ auf: Entweder wurden Gelder der Beitragsgemeinschaft äußerst dubiosen Spekulationsgeschäften ausgesetzt oder es wurden den Versicherten falsche Renteninformationen zugesandt. Nunmehr hat das Bundesversicherungsamt (BVA) bei laufenden Überprüfungen der Rentenbescheide erneut festgestellt, dass zahlreiche Berechnungen völlig fehlerhaft waren. Zufall oder Taktik?

Darf man der Ernsthaftigkeit des aktuellen Vorschlags des früheren Wirtschaftsministers Wolfgang Clement Glauben schenken, dann solle die gesetzliche Lebensarbeitszeitbegrenzung, die heute bei 67 Jahren liegt, abgeschafft werden. Stattdessen soll künftig bis zum 80. Lebensjahr gearbeitet werden. Käme es zu einem solchen Vorstoß, dann läge die Vermutung naher, dass nur noch die wenigsten Bundesbürger in den Genuss einer Rentenzahlung kommen würden. Der deutsche Arbeiter würde somit zum "lebenslangen Beitragszahler", im Umkehrschluss seine Rente so gut wie nicht mehr überleben. Von einem Sozialsystem kann in diesem Falle nicht mehr gesprochen werden, sondern hätte seine Existenz eher in den §§ 812 bis 822 BGB zu suchen.

Das Fatale: Nicht nur der Zwangsrente droht damit das Aus, es kommt auch immer öfters zu angeblichen „Renten-Irrtümern“. Zwar erhält die Rentengemeinschaft Millionen an Beiträgen wieder zurück, allerdings nur auf Grund des Tätigkeitsberichts 2012 der BVA. Bereits vor einem Jahr war der Deutschen Rentenversicherung der Fehler passiert, dass nicht nur die Berufsausbildungszeiten falsch berechnet, sondern auch die Kinderzuschläge für Witwen und Witwer erst gar nicht berücksichtigt wurden. Diese Mängel wurden gleichzeitig auch bei der Knappschaft Bahn-See festgestellt.

Dass es sich bei diesen Fehlern nicht um Peanuts für die Betroffenen handelt, zeigen aktuelle Berechnungen: Vielfach erhielten die Betroffenen eine höhere Monatsrente von durchschnittlich 57,28 Euro. Was die nicht berücksichtigten Kinderzuschläge betrifft, erhielten 9.202 Rentner Beiträge zurück, bei den fehlerhaften Berufsausbildungszeiten waren sogar 147.000 Betroffene und damit 68,5 Prozent der Rentner zu niedrig berechnet worden. Da die BVA ausschließlich nur für die beiden bundesweiten Rententräger zuständig ist, wurden die 14 anderen regionalen Rententräger erst gar nicht auf mögliche Falschberechnungen überprüft. Und eben hier liegt das Potential: denn diese Rententräger sind nun einmal für mehr als die Hälfte der Renten zuständig.

Ein weiterer Mangel, der seit Jahren Einzug hält: Seit Juni 2002 versendet die Deutsche Rentenversicherung Bund eine so genannte "Renteninformation", um den Versicherten – angeblich – eine neutrale Planungsgrundlage für eine ergänzende Altersvorsorge zu geben. Dabei ist zu bemängeln, dass durch die angenommene Rentendynamik von bis zu 3,5 Prozent Rentensteigerung pro Jahr besonders für junge Menschen die Versorgungslücke im Alter verdeckt wird.

Wie die Hochrechnungen richtig zu lesen sind

Das zweiseitige Schreiben soll die Versicherten über ihre bisher erworbenen Ansprüche und ihre voraussichtliche Rente bei Vollendung des 65. Lebensjahres aufklären und wie es heißt: "helfen, mögliche Versorgungslücken aufzudecken". Doch die rund 20 Millionen Euro teure Aktion hat viele Versicherte bislang eher des-informiert: Die Hochrechnung der Anwartschaften auf eine zukünftige Rente mit 65 bzw. 67 Jahren wird sowohl ohne Rentenanpassung und dann jeweils mit Anpassungssätzen von 1,5 Prozent und 3,5 Prozent jährlich gerechnet. Vor allem die letzte Beispielrechnung der Rentenversicherungsträger ist zu kritisieren, weil sie die Rentenillusion in der Bevölkerung aufrechterhält. Eine jährliche Anpassung von 3,5 Prozent gab es zuletzt in den 60 und 70er Jahren. Einer Zeit wohlgemerkt, in der die Löhne und Gehälter noch um durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr stiegen statt wie heute etwa zwei Prozent und das demographische Problem noch keine Rolle spielte.

Teilweise rechnen die Rentenversicherungsträger jüngeren Versicherten für das Jahr 2032 eine Monatsrente von bis zu 5.400 Euro hoch. Dies entspräche rund 150 Prozent des aktuellen rentenversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens, gemessen am entsprechenden derzeitigen Nettoeinkommen von sogar über 250 Prozent! Mit diesen Erhöhungssätzen wird jedoch die Wirkung der durch die letzte Rentenreform geschaffenen neuen Rentenformel vollständig herausgerechnet.

Vorsorgeneigung des Einzelnen wird eher gemindert als gestärkt

Es wird weder deutlich, wie sich die demographische Entwicklung noch wie sich die geänderte Rentenformel auf die zu erwartenden Renten auswirkt. Auch die Wirkung der Inflation wird nicht erläutert. Von daher werden derartige Renteninformationen ihrem Anspruch, eine neutrale Planungsgrundlage für eine ergänzende Altersvorsorge zu sein, in keiner Weise gerecht. Vielmehr wird die Vorsorgeneigung des Einzelnen eher gemindert als gestärkt.

In Zukunft werden die jährlichen Anpassungen deutlich geringer ausfallen. Dafür sorgt allein schon die neue Rentenformel, die dazu führt, dass die jährlichen Rentensteige-rungen gebremst werden. Zur Erinnerung: Nach den Beschlüssen der Rentenreform 2001 müssen die Rentenbeiträge bis zum Jahr 2020 unter 20 Prozent gehalten werden und dürfen bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Ein utopisches Ziel: Schon heute liegt der Beitrag bei 19,6 Prozent – das war nach der Rechnung der Regierung erst für circa 2018 geplant. Hier hilft auch nicht die Entlastung der Arbeitnehmer ab dem Jahre 2013 mit einem Beitragssatz in Höhe von 19 Prozent. Zwar kommt es dadurch beim Steuerzahler zu einem monatlichen Plus von durchschnittlich 13 Euro, doch dieser Höchstbetrag greift ausschließlich bei einem Bruttolohn von über 5.000 Euro.

Legt man hingegen das Monatseinkommen eines Durchschnittsverdieners zugrunde – nämlich 3.300 Euro – dann liegt die durchschnittliche Entlastung bei gerade einmal 9 Euro im Monat. Daran ändert sich auch nichts an der steuerlichen Absetzbarkeit der Rentenbeiträge von 48 auf 52 Prozent im Jahre 2013. Denn gerade weil der Rentenbeitrag sinkt, reduziert sich hierdurch auch entsprechend der absetzbare Anteil. Werden die Renten aber weiter so angepasst wie bisher, kann das in dem Reformgesetz verankerte Ziel unmöglich erreicht werden. Unter der Bedingung, dass der Rentenbeitrag auf 22 Prozent eingefroren wird und bei realistischen, also zurückhaltenden Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung ist für die nächsten Jahre allerhöchstens mit einer Rentenanpassung von 1,5 Prozent zu rechen. Rechnet man dagegen mit einer Inflation von jährlich etwa 1,5 Prozent, ist das real ein Rentenwachstum gegen Null.

Bislang fehlt in der Renteninformation zudem ein ausdrücklicher Hinweis darauf, dass die zukünftigen Rentenbeträge real weit weniger wert sind. Allein die Darstellung der Nominalwerte verschleiert die Tatsache, dass der gleiche Geldbetrag beispielsweise in 30 Jahren weit weniger Kaufkraft besitzt als heute, nämlich etwa 64 Prozent. Die Deutsche Rentenanstalt Bund will darauf mit einem geänderten Text hinweisen. Besser wäre es allerdings, den Versicherten gleich reinen Wein einzuschenken und eine inflationsbereinigte Beispielrechnung anzubieten.

Beispiel: Zwei typische Fälle, die für eine 33-jährige Frau und einen 34-jährigen Mann relativ hohe nominale Rentenbeträge bei einer Anpassung von 1,5 und von 3,5 Prozent ausweisen: "Eine Rente von 2.217 Euro wäre in 32 Jahren bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,5 Prozent pro Jahr in heutigen Preisen tatsächlich aber nur noch 1.377 Euro wert. Bei einem Einkommen vor Rentenbeginn von real 3.179 Euro erreicht die Versicherte in diesem Beispielfall ein Versorgungsniveau in heutiger Kaufkraft von 43 Prozent."

Um dieser Geldillusion hoher Rentenbeträge vorzubeugen, sollten Versicherte am besten nur mit der Altersrente ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen rechnen. Wer so vorgeht, liest die Renteninfo richtig.

Die Illusionisten von Berlin

Werden also heute einem 34jährigen eine Rente von 2.959 Euro in 35 Jahren vorgerechnet (1,5% Steigerung ) oder gar 5.420 Euro (bei 3,5%iger Steigerung), ist das weit höher als das heutige Einkommen. Der finanzmathematisch ungeschulte Bürger wird bezweifeln, dass er ein Problem hat. Auch hier fehlt den "Alten" unserer Politik das Ziel für eine Lösung, denn alleine die so groß geschriebene Anrechnung der Erziehungszeiten ist bei weitem keine Lösung. Denn auch hier zeigt ein einfaches Rechenexempel: Wer eine Rente – und das lediglich auf der Höhe der Sozialhilfe – erreichen will, der müsste in seinem Leben 28 (!) Kinder in die Welt setzen und diese auch noch großziehen. Damit wird die Rente nicht zu einem Lohn für Lebensleistung, sie wird vielmehr zum Hohn aller Erziehenden.

Die Haut des Generationenvertrages ist also dünn geworden. Und sie wird noch dünner werden, denn vom Jahr 2013 an wird das demographische Defizit voll durchschlagen. Schon heute sind die Deutschen das älteste Land in Europa, und bis zum Jahre 2030 wird das Durchschnittsalter vollends von 41 auf 47 Jahre hochschnellen. Dann aber wird die Gesellschaft einen Preis für ihr Älterwerden bezahlen müssen. Das Ganze muss zwar nicht gleich in einen gewalttätigen Generationenkonflikt ausarten, aber irgendwann – und das noch früh genug! – werden die Jungen, und dies zu Recht, den Zahlungsbefehl verweigern. Sie werden es nicht zulassen, dass die Politik weiter so unverblümt eine Umverteilung von Jung auf Alt und von Familien auf Singles betreibt.

Denn mittlerweile ist eines längst bekannt: Die Armut der Kinderreichen und der jungen Familien, vor allem Alleinstehender mit Kindern, hat die Altersarmut schon längst abgelöst. Vielmehr bewegt man sich, ohne es zugeben zu wollen, immer weiter auf die propagierte Grundrente zu. Danach soll jeder Rentner 750 Euro erhalten, der mindestens 25 Jahre lang in Deutschland Steuern gezahlt hat. Doch gerade von den heute entscheidenden Politikern braucht freilich niemand um seine Rente zu bangen.

Deshalb sind es heutzutage gerade die Jungen, die eine Reform des Rentensystems verlangen. Stattdessen aber empfehlen die älteren Politiker den heute Vierzigjährigen und darunter: Die Zukunft liegt in der Zusatzversorgung, bspw. eine Lebensversicherung. Dass auch dies Geld kostet, das diese Generation nicht hat (vor allem, wenn es sich um Familien mit Kindern handelt), davon wollen die Älteren nichts wissen. Doch die Intriganz nimmt hier noch kein Ende. Denn wer sich diese Versicherung letztlich doch noch abspart, der wird dann auch ein zweites Mal bestraft. Denn schlaue Finanz-jongleure in Bonn besteuern auch diese Gelder – zwar nicht heute, aber in der Zukunft. Wer demnach heute etwas für die Rente tut, ist letztendlich dann auch noch der Dumme.

Das Festhalten an bewährten Systemen ergibt demnach nur dann einen Sinn, wenn sich die Umstände nicht wesentlich ändern. Denn ein Sozialsystem ist immer auch von seinen jeweiligen sozialen Umständen abhängig. Und genau diese haben sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch geändert. Bereits bei der Einführung der dynamischen Rente vor vierzig Jahren hatte man Adenauer auf die Gerechtigkeitslücke aufmerksam gemacht. Der Generationenvertrag habe nämlich zwei Schultern, nämlich die Kindererziehung und die Sorge für die Alten. Deshalb sollte man außer der Rente auch eine Familienkasse einführen, die ebenfalls aus Beiträgen der Arbeitseinkommen gespeist würde.

Das wäre damals noch möglich gewesen, da die Beiträge hierfür deutlich unter 10 Pro-zent des Bruttoeinkommens lagen. Doch damals wurden alle Bedenken weggewischt und nach dem Motto gehandelt: Kinder kriegen die Leute immer. Auch dieser Satz stimmte – allerdings zu seiner Zeit. Seit dem Pillenknick Mitte der sechziger Jahre aber verläuft die Kurve der Demographie stetig nach unten. Mit der fatalen Folge, dass immer weniger künftige Beitragszahler geboren werden. Und heute ist die Misere da. Die Rentenkassen werden leerer und leerer, und wer die Grundrechenarten beherrscht und am bisherigen System festhalten will, der kann mit gesundem Menschenverstand nach-vollziehen, dass es nur eine Lösung geben kann: Renten kürzen und/oder Beiträge erhöhen. Damit steht heute der gesamte Generationenvertrag insgesamt auf dem Prüfstand.

Entweder muss der Generationenvertrag aufgekündigt und die Altersvorsorge damit privatisiert werden, wobei der Staat nur noch einen Zuschuss zahlt und somit eine Mindestrente garantiert. Danach soll sich – ähnlich einer Kfz-Versicherung – jeder selber absichern müssen, aber das "Wie" muss ihm überlassen bleiben. Im Gegenzug dürfen dann aber die Rentenmodelle keiner Steuer unterworfen werden, auch der Abzug als Sonderausgaben sollte weiter zugelassen werden. Zudem müssen die Anlagegelder durch einen eigens dafür eingerichteten Fonds gegen Zahlungsunfähigkeit gesichert werden.

Oder aber man überführt das derzeit lohnabhängige Beitragssystem in ein einkommensunabhängiges System, bei dem nicht nur der Lohn der Erwerbsarbeit zu Grunde gelegt wird, sondern vielmehr sämtliche Einkünfte, also auch Zinsen, Dividenden, Miet-einnahmen etc. Eine weitere Alternative wäre die generative Komponente, bei der derjenige, der Kinder hat, weniger zahlt und wer keine hat, dafür entsprechend mehr. Dahinter steht nämlich die richtige Überlegung, dass unsere Kinder von heute die Zukunft, sprich unsere Renten sichern. Denn die Kinder allein sind die hohe Kante in unserem derzeitigen Rentensystem.

Erziehungsleistung muss vielmehr als eine Investition in die Zukunft angesehen wer-den, für die die Gesellschaft aufzukommen hat. Ansonsten – und das ist ja zurzeit auch der Fall – werden die Früchte der Erziehung sozialisiert, während die Kosten privat bleiben. Doch anstatt diese Gerechtigkeitslücke zu erkennen, wirbt man mit Delphin-schwärmen als Hintergrund für die damit verbundene Intelligenz dieser Tiere (im übertragenen Sinne der Politiker). Pech, das ausgerechnet jetzt eine Forschergruppe herausgefunden hat, dass Delphine gar nicht so schlau sind, sondern dass sie vielmehr nicht intelligenter als Ratten und Mäuse sind. Wer da nicht mal in die eigene Mausefalle tappt.

Noch bedrohlicher: Auf Grund falscher Rentendaten bekommt jeder Dritte im Alter zu wenig

Kaum jemand interessiert sich im Alter zwischen 20 und 25 dafür, wie viel Rente er später einmal bekommen wird. Wer jedoch nicht selber aufpasst, der hat am Ende das Nachsehen, denn nach Schätzungen von Rentenberatern und Versicherungen wird jede dritte Rente falsch berechnet. Von daher muss jeder selber den verschiedenen Versicherungsträgern (z. B. ehemals BfA, LVA, Knappschaft) auf die Finger schauen.

Im Klartext: Die meisten Versicherungsträger könnten mehr bezahlen, aber sie tun es nicht. Denn das System hat Lücken. Legt man in diesem System nur eine – sehr niedrig angesetzte – Fehlerquote von nur 3 Prozent zu Grunde, können auf diesem Wege rund 5 Milliarden Euro (!) eingespart werden – auf Grund von falschen Rentenberechnungen. Seit dem 1.1.99 haben rund 22,4 Millionen Bundesbürger einen Anspruch auf Alters-, Hinterbliebenen-, Waisen-, Halbwaisen- oder Erwerbsunfähigkeitsrente. Demgegenüber steht eine monatliche Auszahlung in Höhe von ca. 14 Milliarden Euro. Rund 7,5 Millionen Rentner bekommen schon heute zu wenig Geld gezahlt.

Die Ursachen für dieses Dilemma sind fast ausschließlich falsche oder fehlende Daten sowie eine Vielzahl von Ungenauigkeiten. Schuld ist dagegen keinesfalls das von den Politikern verschuldete Rentenloch. Die Hauptfehlerquellen stellen aber vor allem die Meldungen der Firmen dar, in denen sie den Rentenversicherungen jährlich Einkommen und Beiträge ihrer Mitarbeiter nennen. Diese Jahresmeldungen werden oftmals nicht nur falsch erfasst, sondern durchaus auch einmal ganz vergessen. Bei einem Durchschnittsverdiener hat diese „Kleinigkeit“ bereits verheerende Folgen: nämlich jeden Monat 24 Euro weniger an Rente. Zu diesem unternehmens- bzw. behördeninternen Fehler gesellen sich dann auch noch die persönlichen Fehler durch die Versicherten selbst hinzu. Dies ist bspw. bei allen Schul- und Studienzeiten der Fall, denn diese müssen vom Versicherten selbst beantragt werden. Diese werden ab dem 16. Geburtstag bei der Rente berücksichtigt. Der Versicherte selbst kann hierbei maximal drei Jahre geltend machen. Tut er das nicht, bedeutet das einen monatlichen Rentenverlust in Höhe von ca. 50 Euro.

Eine weitere Problematik stellen die sog. Zahlendreher dar (statt einem Einkommen von 21.000 Euro werden lediglich 12.000 Euro verbucht). Auch in diesem Falle fehlen dem Versicherten Teile seines Rentenanspruchs. Schon allein diese drei Beispiele bedeuten für einen Versicherten: Zwischen dem 65. und dem 80. Lebensjahr muss ein Rentenverlust in Höhe von 13.000 Euro hingenommen werden. Aus diesem Grund sollte jeder Versicherte seinen Versicherungsverlauf (Kontoauszug) genauestens überprüfen (lassen). Denn Beweise, dass falsche Daten gespeichert wurden, muss jeder selbst erbringen. Fehlerhafte Daten werden auf Grund eines angeforderten Beitragsberichtigungs-Formblattes berichtigt, z. B. durch Kopien von Meldungen des Arbeitgebers an die Versicherung sowie Gehaltsbescheinigungen, Arbeitsverträge, Zeugnisse. Diese Unterlagen bewahren die Firmen allerdings nur 10 Jahre auf.

 

Es gibt anscheinend kein Rentenproblem

Nicht nur die unverantwortliche Hochrechnung ist zu bemängeln, sondern auch die Unterlassungssünde, dass mit Nominal- statt Realwerten gerechnet wird. Denn hier bleibt die Inflation bewusst draußen vor. Eine Milchmädchenrechnung, über die man lachen könnte, wenn es nicht so ernst wäre. Statt der Bevölkerung die Wahrheit zu sagen, wird weiter nach Kräften verschleiert. Doch wem nützt das Ganze. Den Versicherten ganz bestimmt nicht, die erst später die Realität erkennen und dann doppelt so viel Konsumverzicht leisten müssen, um für die Altersvorsorge noch ein genügend großes Kapital aufbauen zu können. Nützen tut es allein den vielen tausend Funktions-träger im politisch-sozialen Komplex, die immer noch nicht wahr haben wollen, dass unser Umlagesystem dem sicheren Ende entgegen geht, wenn nicht rasch gehandelt wird. Und dazu gehört, der Bevölkerung nicht länger die traurige Wahrheit zu verschleiern.

 

Die Wahrheiten der aktuellen Untersuchung

Das weiter absinkende Rentenniveau und u. a. die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung sowie ein verändertes Freizeit- und Konsumverhalten sowie höhere Krankheits- und Pflegekosten der zukünftigen Alten lassen den Geldbedarf der Rentnerhaushalte jedoch deutlich steigen. Es werden erhebliche Versorgungslücken entstehen. 1998 entsprachen die verfügbaren Einkommen aller Rentnerhaushalte (1.939 Euro im Durchschnitt) auch deren Mittelbedarf. Da sich aber immer deutlicher eine Schere auftut, wird es zwangsläufig zu erheblichen Versorgungslücken kommen. 2013 werden die verfügbaren Einkommen nur noch 88 Prozent und 2020 sogar nur noch 82 Prozent des Mittelbedarfs der Rentnerhaushalte decken. Im Geldwert von 1998 gerechnet fehlen dann den 11,5 Millionen Rentnerhaushalten des Jahres 2013 damit monatlich 329 Millionen Euro (durchschnittlich 286 Euro pro Haushalt), den 13,5 Millionen Rentnerhaus-halten des Jahres 2020 sogar 699,3 Millionen (durchschnittlich 518 Euro pro Haushalt).

Frauen erhalten derzeit ein durchschnittliches Ruhegeld von etwa 694 Euro, ein Viertel aller Frauen muss sogar mit einer Rente von weniger als 520 Euro auskommen. Die geringen Anwartschaften resultieren daraus, dass Frauen oft kein durchgängiges Arbeitsleben führen. Die frühzeitige Altersvorsorge ist daher gerade für Frauen ein „Muss“. Die Gründe für die kargen Frauenrenten sind vielfältig: Erziehungszeiten, Teilzeitarbeit und niedrigere Gehälter schmälern die Zahlungen in die Rentenkasse und damit die Rentenansprüche im Alter. Besonders Frauen, die bisher höchstens auf eine kleine Zulage zur staatlichen Rente gespart haben, müssen nun umdenken, denn die Versorgungslücke wird immer größer. So wird zum Beispiel im Jahr 2025 auf Grund der veränderten Anpassungsformel das so genannte Nettorentenniveau voraussichtlich nicht mehr wie heute 50,8, sondern nur noch 45,2 Prozent betragen.

 

Das Rechnen mit der Rentenformel

Die staatliche Rente reicht künftig nicht mehr aus, um einem Durchschnittsverdiener den gewohnten Lebensstandard zu sichern. Erwerbstätige sollten von daher wissen, wie viel Altersruhegeld sie voraussichtlich erwarten können und wie groß die Differenz zum letzten Verdienst sein wird. Zu diesem Zweck hat der Gesetzgeber eine Informations-pflicht für die staatlichen Rentenversicherungsträger eingeführt: Seit 2004 werden Arbeitnehmer, die älter als 27 Jahre sind, jährlich über den Stand ihrer Rentenanwartschaften informiert. Sie erhalten Auskunft über die Höhe ihres bereits aufgelaufenen Anspruchs auf Alters- bzw. Erwerbsunfähigkeitsrente. Ab dem 54. Lebensjahr erfolgt dann regelmäßig die Zusendung einer Rentenauskunft einschließlich eines umfassenden Versicherungsverlaufs.

Die Rentenanstalten können in diesem Zusammenhang aber immer nur den bereits erreichten Stand dokumentieren. Wie sich hingegen der persönliche Rentenanspruch in der Zukunft entwickelt, weiß niemand. Gerade für jüngere Erwerbstätige ist die staatliche Rentenauskunft deshalb nur ein schwacher Anhaltspunkt. Um die Höhe der notwendigen privaten Altersvorsorge optimal schätzen zu können, muss man seine Versorgungslücke bei Rentenbeginn berechnen können. Dies geschieht mit der Renten-formel. Sie besteht aus vier Faktoren: den Entgeltpunkten, dem Zugangsfaktor, dem Rentenfaktor plus dem aktuellen Rentenwert. Zur Berechnung der Entgeltpunkte wird das eigene Jahreseinkommen durch das Durchschnittseinkommen aller Versicherten geteilt. Hat man im Jahr genauso viel verdient wie der Durchschnitt aller Versicherten, erhält man einen vollen Entgeltpunkt von 1,0 Punkten. Für die Berechnung der individuellen Rente ist ferner wichtig, wie alt der Arbeitnehmer bei Renteneintritt ist. Wer mit 65 Jahren in Rente geht, erhält den Zugangsfaktor 1. Wer früher in den Ruhe-stand geht, der muss für jeden Monat einen Abschlag von 0,3 Prozent in Kauf nehmen. Wer erst nach 65 in Rente geht, bekommt für jeden späteren Monat einen Zuschlag von 0,5 Prozent.

Zur überschlägigen Berechnung der Rente muss man sich einen Überblick über die einzelnen Jahresverdienste seit Beginn des Arbeitslebens verschaffen. Wer keine Unter-lagen zur Hand hat, muss sein Einkommen grob schätzen. Errechnen Sie dann für jedes Jahr den entsprechenden Entgeltpunkt. Beispiel: Im Jahr 2012 wurden 60.000 Euro verdient, der Durchschnittslohn West betrug 54.256 Euro. Rechnung: 60.000 : 54.256 = 1,11 Entgeltpunkte. Nun addieren Sie alle Entgeltpunkte und teilen die Summe durch die Anzahl Ihrer Versicherungsjahre. Damit haben Sie Ihren durchschnittlichen Entgeltpunktwert. Beispiel: Aus 20 Versicherungsjahren errechnet sich eine Summe von 18,6 Entgeltpunkten. Rechnung: 18,6 : 20 = 0,93. Jetzt überlegen Sie, wie viel Versicherungsjahre im Laufe Ihres Lebens voraussichtlich noch hinzukommen werden und informieren sich, wie hoch die Durchschnittsrente von Versicherten mit denselben Beitragsjahren ist. Auskunft erteilt das Bürgertelefon des Bundesarbeitsministeriums unter der Nummer 01805 – 67 67 15.

Die statistische Durchschnittsrente multiplizieren Sie nun mit Ihrem persönlichen Entgeltpunktwert. Beispiel: Sie kommen schätzungsweise auf 33 Versicherungsjahre, die Durchschnittsrente ist mit 835,36 Euro angegeben. Rechnung: 835,36 x 0,93 = 776,88 Euro. Ergebnis: Als Westrentner werden Sie voraussichtlich 776,88 Euro monatliche Rente erhalten. Der Vergleich mit Ihrem derzeitigen Gehalt zeigt Ihnen, wie groß Ihre Versorgungslücke bei Rentenbeginn sein wird.

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