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Kapitalmarkt

Lehman Brothers – 2.200 Seiten Untersuchungsbericht und geschönte Bücher

20. April 2010 –

Wurde bei der US-Investmentbank getrickst, bevor sie im September 2008 unterging? Dies ist die Frage, mit der sich der Kongressausschuss in Washington befassen muss. Wie viel hat der ehemalige Chef von Lehmans, Richard Fuld, gewusst?

Im September des Jahres 2008 ging die Großbank in die Pleite, fast von heute auf morgen, obwohl es auch Anzeichen gegeben haben soll, die jedoch von vielen übersehen wurden. Banken und Anleger in der ganzen Welt waren von dem Bankrott betroffen – und verloren Milliarde um Milliarde an Ersparnissen.

Die Tatsache, dass Fuld sich nun vor dem Kongressausschuss zu verantworten hat, ist eine Folge der Ungereimtheiten, die im Laufe der Zeit immer klarer wurden. Inzwischen wird sogar vermutet, dass es bei Lehman Brothers illegale Machenschaften gab, und bei den Bilanzen getrickst wurde. Dies hätte zur Folge gehabt, dass Anleger nicht rechtzeitig in der Lage gewesen waren, ihre Spareinlagen abzuziehen und zu retten, was noch zu retten ging.

Der Bericht, den ein Sonderermittler über den Untergang der Lehman Brothers erstellt hat, ist 2.200 Seiten dick. Eine Menge Papier, in der irgendwo die Wahrheit versteckt sein könnte. Fuld selbst behauptet, der Sonderermittler würde die Tatsachen verdrehen und sagte deshalb in einer Stellungnahme: “Ich habe überhaupt keine Erinnerung jedweder Art daran, in meiner Zeit als Lehman-Chef etwas über Repo 105-Transaktionen gehört zu haben.“

Mit Repo 105 wird ein Bilanzierungstrick bezeichnet, mit der die Bücher geschönt werden können – und die Wahrheit über die tatsächliche Finanzlage eines Unternehmens oder ein Bank verschleiert werden kann.

Laut des Untersuchungsberichts soll Lehman Brothers noch kurz vor der Bankenpleite den Repo 105 angewendet haben, Fuld weist diese Anschuldigung jedoch zurück. Auch die US-Börsenaufsicht weiß angeblich nichts von Bilanzierungstricks bei Lehmans. Aber wer ein wenig zurückgeht in der Finanzgeschichte der USA der vergangenen Jahre, der weiß auch, dass die SEC nicht immer genau hingesehen hat, wo es nötig gewesen wäre.

Hier sei nur an den Fall Bernard L. Madoff mit seinem Schneeballsystem erinnert, mit dem er Anleger in der ganzen Welt um Milliarden gebracht hat – und dafür inzwischen zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Hinweise, die zum Madoff beim SEC eingegangen waren, wurden nicht gründlich genug verfolgt und ad acta gelegt, bis die Finanzkrise das Betrugssystem des ehemaligen Nasdaq-Chefs zusammenbrechen ließ.

Es wird sich wohl im Laufe der Zeit zeigen müssen, ob die US-Börsenaufsicht womöglich auch in Bezug auf die US-Investmentbank Lehman Brothers weggesehen hat und damit eine Mitschuld an den Verlusten der Anleger trägt. Schadensersatzklagen aus aller Welt könnten die Folge sein. Der Untersuchungsausschuss im US-Kongress wird also ganz genau hinsehen müssen. Oder vielleicht wegsehen, um Geld zu sparen für Zahlungen aus möglicherweise verlorenen Schadensersatzklagen? Ein Narr ist es, der Böses sich dabei denkt…

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