Die Europäische Zentralbank ist die für meisten Menschen in unserem Lande nicht wirklich interessant – leider, muss man hierzu sagen. Denn die EZB ist, als Notenbank für die Euro Zone, auch wichtig für unsere Geldmarktpolitik – denn diese wird von der obersten Bank für die gesamte Währungsunion gesteuert. Und deshalb ist jede Entscheidung, welche die Europäische Zentralbank fällt, auch so wichtig für Deutschland und hat Auswirkungen auf unser alltägliches Leben.
So auch die aktuelle Entscheidung der EZB, den Leitzins für die Euro Zone auch weiterhin auf dem historischen Tief zu belassen. Mit 1,00 Prozent liegt der Leitzins für uns damit höher als in den USA bspw., dennoch gibt er wichtige Impulse für den deutschen Geldmarkt.
Der Leitzins ist die zwar indirekte Leitlinie für die Höhe der Zinsen, die Verbraucher für Kredite bezahlen müssen – und die Sparer für so manche ihrer Geldanlagen erhalten. Eigentlich als eine klare Sache, die auch sehr durchschaubar ist für Laien, die Problematik besteht nur darin, dass die Banken dem Leitzins nur noch einseitig folgen.
Im Zuge der Finanzkrise hatte die Europäische Zentralbank den Leitzins immer mehr gesenkt, um indirekt die Wirtschaftslage der einzelnen Euro-Länder damit zu beeinflussen. Ein niedriger Leitzins bedeutet in normalen Zeiten zugleich niedrige Kreditzinsen für Verbraucher und Unternehmen.
Diesem Weg der EZB sind die meisten Geldinstitute jedoch nicht gefolgt – und haben stattdessen nur die Zinsen für bestimmte Geldanlagen gesenkt, wie die Zinsen für Festgeldanlagen und Tagesgeldkonten. Diesen einseitigen Weg der Banken kritisieren viele Experten, die EZB lässt nun jedoch, auch trotz mannigfaltiger Fürsprache für einen steigenden Leitzins, genau diesen nun mindestens einen weiteren Monat auf dem niedrigen Niveau.
Damit haben die Banken in der Euro Zone auch weiterhin die Möglichkeit, sich billig Geld zu leihen – und dieses als teure Kredite an ihre Kunden weiter zu geben. Erst durch die seit 11. Juni europaweit in Kraft getretene Verbraucherrichtlinie für Kredite ist deutlich geworden, wie teuer Kredite tatsächlich sind – nachdem die Banken immer wieder mit Lockvogel-Angeboten für eigentlich viel teurere Kredite warben. Die EZB scheint all dies nicht zu stören, weshalb der Leitzins weiter auf 1,00 Prozent bleibt, und damit sowohl die Kreditnehmer als auch die Sparer das Nachsehen haben einer Geldmarktpolitik, die immer wieder aufs Neue vor allem eines zeigt: Wie verfehlt sie ist und wie fern der Rat der Europäischen Zentralbank an der Realität vorbei lebt…
Aktuelle Vergleiche sowohl für Kredit- als auch für Tages- und Festgeldzinsen finden interessierte Leser unter anderem auf den folgenden Seiten:

