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Finanztest: Lizenzgebühren kontra Unabhängigkeit?

14. August 2013 –

Seit dem 1. Juli 2013 ist alles anders bei der Stiftung Warentest. Während es bis zum 30. Juni dieses Jahres lediglich Bearbeitungsgebühren zu bezahlen gab, um eines der Test-Siegel von Stiftung Warentest oder der zur Stiftung gehörenden Zeitschrift Finanztest zu verwenden, sieht die Sache nun ganz anders aus. Die Lizenzgebühren, die zum 1. Juli eingeführt wurden, sind nicht gerade ohne – und sie wurden auch aus Einnahmegründen, wie Stiftungsvorstand Hubertus Primus dem Nachrichtenmagazin "SPIEGEL ONLINE" vor einiger Zeit bestätigte.

Ursprünglich war der Gedanke der Änderung der Gebühren möglicherweise sogar ein anderer, der immer noch eine Teilbedeutung für die Lizenzgebühren hat: Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren die Siegel von Stiftung Warentest und Finanztest missbräuchlich verändern, mitunter auch für irreführende und unlautere Werbung. Diesem Gebaren wollte die Stiftung Warentest mit der Einführung der Lizenzgebühren und der kompletten Änderung des Vergabeablaufs einen Riegel vorschieben – und hat dabei wohl entdeckt, dass diese Gebühren für die Lizenzen eine durchaus sehr interessante Einnahmequelle in den Zeiten niedriger Zinsen sein könnte.

Natürlich ist der Gedanke selbst legitim. Nur hat dies bei der Stiftung Warentest einen anderen Beigeschmack, der nicht unerwähnt bleiben sollte: die bislang renommierte Stiftung hat den Status der Unabhängigkeit, darf keine Werbung machen und erhält dafür Jahr für Jahr Geld vom BMELV, dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Dies soll die Unabhängigkeit der Stiftung Warentest weiter gewährleisten, im vergangenen Jahr hat die Stiftung dafür immerhin 3,5 Millionen Euro aus den Mitteln des Verbraucherschutzministeriums erhalten.

Die neuen Lizenzgebühren sollen jedoch vor allem die Einnahmenverluste abdecken, welche die gegenwärtige Niedrigzinsphase mit sich gebracht hat – und dies dürfte nicht gerade geringe Einnahmen bedeuten für die Stiftung Warentest. Doch der Beigeschmack der hohen Gebühren wird bleiben, und sich vielleicht in Zukunft verstärken. Auch wenn ein gemeinnütziges Unternehmen, das RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung, mit der Vergabe und Kontrolle der Lizenzen für die Werbung mit den Testergebnissen von Stiftung Warentest wie auch Finanztest betraut ist – die Höhe der Gebühren lassen einem schon deutlich die Ohren schlackern.

Während früher gerade einmal 500 Euro an Bearbeitungsgebühren fällig waren, greift die Stiftung Warentest nun richtig tief in die Tasche derer, die mit den Testergebnissen der Stiftung werben wollen. Für ein Jahr gibt es die Lizenz für 7.000 Euro, für zwei Jahre für 10.000 Euro. Deutlich höher sind die Lizenzgebühren, wenn mit den Ergebnissen der Stiftung Warentest und Finanztest Testergebnissen im Kino oder im Fernsehen Werbung gemacht wird, hier werden dann gleich mal 25.000 Euro fällig, für zwei Jahre.

Viele Unternehmen und Banken, die bislang seriös mit den Testsiegeln und Ergebnissen von Stiftung Warentest und Finanztest geworben haben, werden sich nun möglicherweise überlegen, ob sie dies auch in Zukunft tun werden. Für die Stiftung Warentest würde dies wiederum Mindereinnahmen bedeuten – und diese könnten im schlimmsten Fall Testergebnisse verwischen. Wenn plötzlich die Unternehmen, Finanzdienstleister und Banken in den oberen Rängen der Tests landen, die auch dazu bereit sind, diese horrenden Gebühren für die Lizenzen zu bezahlen.

Dass dies nicht nur Zukunftsmusik sein muss, zeigt der aktuelle Berufsunfähigkeitsversicherungsvergleich von Finanztest, der inzwischen von mehreren Seiten scharf kritisiert wurde. Bereits hier musste sich die Stiftung Warentest die Kritik gefallen lassen, unsauber gearbeitet zu haben und alles andere als transparente Testergebnisse hervorgebracht zu haben. Wird nun in Zukunft öfter solche Musik laut werden und die Kritik auch bei anderen Tests zunehmen, wird sich auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fragen müssen, inwieweit eine millionenschwere Förderung der Stiftung Warentest dann überhaupt noch gerechtfertigt ist.

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