Logo
DenizBank Festgeld Standard 468x60


Kapitalmarkt / News

Ende der Zinsmanipulationen wird zur Lachnummer

19. September 2013 –

Das Ende der Zinszockereien um den Libor und den Euribor sollte eingeläutet werden, große Worte waren diesem vorgegangenen, nun wird die ganze Sache zur Lachnummer. Die Reform der EU wurde gestutzt, und hat damit kaum mehr Chancen, überhaupt noch dazu beitragen zu können, dass die Zockereien um die wichtigen Zinssätze wirklich gestoppt werden können.

Noch im Juli des vergangenen Jahres waren es große Worte, die der EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier gemacht hatte: “Die laufenden internationalen Ermittlungen zu Manipulationen beim LIBOR haben ein weiteres Beispiel für skandalöses Verhalten von Banken ans Licht gebracht. Ich will sicherstellen, dass die von uns vorgeschlagenen Gesetzesakte zum Marktmissbrauch derartige Auswüchse ausnahmslos untersagen.”

Heute, knapp 14 Monate später, sieht die Lage anders aus. Wie nun bekannt wurde, soll die Kontrolle über den Libor weiter in London bleiben, damit ist der Plan vom Tisch, dass die EU-Behörde ESMA die Aufsicht über die Festsetzung des Libor übernehmen soll. Nun wurde das ganze Vorgehen deutlich verschlankt, statt einer obersten Aufsicht durch die ESMA wird es nur noch einen Informationsaustausch zwischen der ESMA und den Aufseher-Gruppen der verschiedenen Länder geben, wie unter anderem der „Spiegel“ berichtet.

Der Libor ist einer der Referenzzinssätze im Interbankengeschäft und hat damit eine große Wirkung auf die Finanzmärkte in der Europäischen Union. Der Libor wird täglich um 11 Uhr GMT (= Londoner Zeit) von Bankern in London selbst festgelegt. Dies wurde im Rahmen der Aufdeckung des Zinsskandals heftig diskutiert, da der Manipulation des wichtigen Referenzzinssatzes damit Tür und Tor geöffnet ist. Der Libor gibt den Zinssatz vor, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen bzw. verleihen, und gilt damit als Angebotszinssatz.

Durch das heftige Stutzen der geplanten Kontrolle und damit der auch weiterhin quasi nicht vorhandenen Aufsicht über die Festlegung des Libor wie auch des Euribor verkommt das ganze Gerede um ein Ende der Manipulationen zu einem Witz. Die Frage ist, wie will die EU-Kommission in Zukunft ihre Regelungen „verkaufen“, wenn sie nicht einmal in der Lage ist, eine solch wichtige Aufsicht zu installieren? Großbritannien hat sich damit gegen eine Regulierung der Europäischen Union durchgesetzt – ist dies vielleicht gar der Preis dafür, den die EU zahlen muss, damit die Briten nicht aus der Länderunion aussteigen werden?

Die Regelung ist auf jeden Fall mehr als fragwürdig und wird kaum dazu zu einem neuerlichen Aufbau von Vertrauen in die Banken und die Banker beitragen. Wie die EU-Kommission in Zukunft Zinszockereien beim Libor und Euribor verhindern will, bleibt dabei nur eines: schleierhaft.

Kommentare sind geschlossen.




Copyright © 2009 – finanznachrichten.info – Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung untersagt.

Sitemap  –  Kontakt  –  Impressum

CC