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Wirtschaft

BIP in Deutschland stärker als erwartet gewachsen

15. Mai 2014 –

Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ist im 1. Quartal 2014 überraschend höher als erwartet gestiegen. Wie eine Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes zeigt, stieg das BIP in den ersten drei Monaten dieses Jahres preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,8 Prozent gegenüber dem 4. Quartal des vergangenen Jahres. Experten, die vorab von der Nachrichtenagentur Reuters befragt wurden, waren von einem Wachstum von 0,7 Prozent ausgegangen.

Ende 2013 war das Bruttoinlandsprodukt noch „nur“ um 0,4 Prozent gewachsen, das Wachstum des BIP fiel damit im 1. Quartal dieses Jahres doppelt so hoch aus. Für Chefvolkswirt Jörg Krämer, der ebenfalls von Reuters befragt wurde, ist dies durchaus positives Ergebnis: “Das ist ein sehr, sehr starkes Wachstum”. Und weiter: „Für das zweite Quartal rechnen wir mit einem Plus von 0,3 Prozent”.

Statistik: Wachstum des weltweiten realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2004 bis 2014 (gegenüber dem Vorjahr) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf

Der starke Anstieg des BIP im 1. Quartal 2014 lässt die Hoffnung wachsen, dass die deutsche Wirtschaft weiter Fahrt aufnehmen wird. Doch das Statistische Bundesamt nimmt dem Optimismus dann doch ein wenig den Wind aus den Segeln, indem es darauf hinweist, dass  beim Wachstum zu Beginn dieses Jahres auch die „extrem milde Witterung eine Rolle“ gespielt hätte.

Gegenüber dem Vorjahresquartal war der Anstieg sogar deutlich höher. Hier stieg das BIP im Vergleich mit dem 1. Quartal 2014 preisbereinigt um 2,5 Prozent, kalenderbereinigt um 2,3 Prozent, wie Destatis mitteilte. Ein solch starkes Wachstum hatte es seit zwei Jahren nicht mehr gegeben, wie das Statistische Bundesamt dazu vermerkt.

Binnenwirtschaft weiter maßgeblich

Nach wie vor ist das Wirtschaftswachstum in Deutschland dennoch kritisch zu sehen, und dies hat auch einen einfachen Grund: Die Impulse für das steigende BIP kamen nach wie vor nur aus dem Inland und damit von der Binnenwirtschaft.

Sowohl der Staat wie auch die privaten Haushalte haben dabei laut Statistischem Bundesamt ihre Konsumausgaben zum Jahresbeginn erhöht und damit zu dem starken Wachstum beigetragen. Ebenso entwickeln sich laut der heute veröffentlichten Zahlen die Investitionen „erfreulich“, wie Destatis dazu schreibt, dabei würde sowohl in Ausrüstungen wie auch in Bauten „deutlich mehr investiert als im vierten Quartal 2013“, wie das Statistische Bundesamt weiter vermerkt. Und auch der Aufbau von Vorräten war für das Stützen des Bruttoinlandsprodukts im 1. Quartal dieses Jahrs verantwortlich.

Außenhandel bremst Wirtschaftswachstum aus

Nach wie vor ist das Problem der deutschen Wirtschaft der Außenhandel. So wurden nach den vorläufigen Berechnungen zum Beginn dieses Jahres deutlich mehr Waren nach Deutschland eingeführt, jedoch weniger Wahren ausgeführt als es im 4. Quartal 2013 der Fall gewesen war.

Damit zeigen sich gleich zwei Probleme auf: Die finanziellen Probleme in den Schuldenstaaten der Euro-Zone, wodurch weniger Waren nach dort verkauft und damit auch exportiert werden. Und der starke Euro, der derzeit überbewertet ist und dadurch die Exporte in die EU-Länder, die keinen Euro haben sowie die Drittländer erschwert.

Solange die Binnenwirtschaft die Fahne oben hält, wird es mit dem Wachstum weiter bergauf gehen, auch wenn Experten durch den sehr guten Start in das Jahr 2014 mit einem schwächeren Frühjahrsaufschwung rechnen und damit zugleich mit einem niedrigeren BIP. Sollte die deutsche Binnenwirtschaft jedoch auch anfangen zu schwächeln, wird es schwer mit dem weiteren Wachstum und damit dem weiteren Aufwind für die Konjunktur.

Wachstum um zwei Prozent möglich?

Für das laufende Jahr hat die Bundesregierung ein Wachstum von 1,8 Prozent ausgegeben. Noch stärker soll das BIP im kommenden Jahr ausfallen, laut der Prognose wird es in 2015 sogar auf 2,0 Prozent liegen. Doch ist dies wirklich realistisch?

Wirtschaftsprognosen haben es an sich, dass sie wahr werden, oder gar völlig an der Realität vorbeischrammen können. Dies haben die vergangenen Jahre seit Ausbruch der Finanzkrise besonders gut gezeigt. Wären die Prognosen für die deutsche Wirtschaft damals eingetreten, sähe es bei uns möglicherweise nun so aus, wie es derzeit in Italien der Fall ist: die Arbeitslosenquote ist auf ein Rekordhoch gestiegen und die Unternehmen haben mit einer Kreditklemme zu kämpfen.

Aber die pessimistischen Prognosen hatten Unrecht, stattdessen kam es in Deutschland zum Wachstum und in dessen Folge zu einem Anstieg der Erwerbstätigkeit und einer Abnahme der Arbeitslosigkeit. Doch wie wäre es, wenn es diesmal den umgekehrten Weg ginge? Wenn die Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland zu hoch gestapelt wären und sich das Wachstum stattdessen verringern würde – eben weil der Außenhandel weiter bremst, aber der Binnenhandel nachlässt?

Realistisch oder doch zu großer Optimismus?

Die kommenden Monate werden deshalb zeigen müssen, ob die bisherigen Prognosen für das Jahr 2014 wie auch für das kommende Jahr Recht behalten werden. Oder aber an der Realität vorbeischrammen und der Aufschwung hierzulande plötzlich wieder abgebremst wird.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank sieht die Sache jedoch auch weiterhin positiv. Von Reuters wird er auch entsprechend zitiert: “Die deutsche Wirtschaft sollte problemlos um die zwei Prozent wachsen – sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr. Die Zinsen sind viel zu niedrig für Deutschland. Das facht das Wachstum an.“

Hoffen wird, dass seine Wort Recht behalten, und nicht früher oder später die Eurokrise auch noch Deutschland erreicht und nicht nur den Außenhandel bremst, sondern auch die Binnenwirtschaft.

Bruttoinlandsprodukt Deutschland Preisbereinigt, verkettet

  Ursprungswerte Werte nach Census X-12-ARIMA
Saison- und kalenderbereinigt Kalenderbereinigt Kalender-einfluss
2005 = 100 %** 2005 = 100 %*** 2005 = 100 %** %**
2013 111,60  0,4 111,78  0,5 111,78  0,5 – 0,1
2013 1. Vj 109,01 – 1,6 110,89  0,0 109,61 – 0,3 – 1,2
2. Vj 110,97  0,9 111,69  0,7 110,86  0,5  0,4
3. Vj 114,54  1,1 112,05  0,3 114,42  0,6  0,5
4. Vj 111,86  1,3 112,48  0,4 112,23  1,4 – 0,1
2014 1. Vj 111,75  2,5 113,40  0,8 112,10  2,3  0,2

(ausgenommen Rundungsdifferenzen).

** Veränderung gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise Vorjahresquartal in %.
*** Veränderung gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise Vorquartal in %.
Vj = Vierteljahr

Bruttoinlandsprodukt Deutschland in jeweiligen Preisen

  Ursprungswerte Saison- und kalenderbereinigte Werte nach Census X-12-ARIMA
Milliarden Euro Veränderung
in %*
Milliarden Euro Veränderung
in %**
2013 2737,60  2,7 2742,13  2,8
2013 1. Vj 660,62  0,4 674,44  0,7
2. Vj 675,22  3,4 684,96  1,6
3. Vj 703,88  3,4 688,85  0,6
4. Vj 697,88  3,4 693,88  0,7
2014 1. Vj 689,05  4,3 701,76  1,1

 

* Veränderung gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise Vorjahresquartal in %.
** Veränderung gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise Vorquartal in %.
Vj = Vierteljahr

Quelle Tabellen: Statistisches Bundesamt

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