Heute beginnt er, der G8-Gipfel, das Treffen der führenden Industriestaaten einschließlich Russland. In Huntsville in Kanada, 220 Kilometer entfernt von Toronto, stehen viele Fragen auf dem Plan – und die Zukunft der internationalen Finanzmärkte. Doch die größte Frage ist: Wird es überhaupt gemeinsame Antworten geben?
Dem G8-Gipfel folgt dann der G20-Gipfel, doch bereits jetzt ist absehbar, dass es schwierig werden wird, Einigungen zu finden – und sei es auch nur im kleinsten Nenner. Denn: Die Regierungen dieser Welt streben andere Ziele an, während Deutschlands Bundesregierung nicht nur in sich selbst zerrissen ist, sondern inzwischen auch einen Alleingang in Sachen Finanzmarkttransaktionssteuer als nicht durchsetzbar ad acta legen musste.
Beide Gipfel kommen die Kanadier teuer zu stehen. Etwa 860 Millionen Euro kostet die Durchführung des G8 und des G20. Ob sie hingegen Ergebnisse bringen werden und damit den Einsatz des Geldes rechtfertigen? Das ist mehr als fraglich. Die Finanzmarkttransaktionssteuer, von Deutschland befürwortet, wird kaum auf Gegenliebe stoßen bei den anderen großen Industrienationen. Deshalb fuhr Bundesfinanzminister Schäuble inzwischen auch zurück und gab kleinlaut zu bedenken, dass eine solche Steuer nur auf internationaler Ebene umsetzbar sein, nicht aber als nationaler Alleingang. Eine mögliche Bankenabgabe wird deshalb auch auf dem G8 und auf dem G20 ein wichtiges Thema sein.
Doch es geht nicht nur um Steuern bei den beiden Gipfeltreffen in Kanada. Es geht auch um den Rückzug der einzelnen Staaten aus der finanzpolitischen Unterstützung. Und wohl auch im die Frage: Wann wird flächendeckend der Leitzins wieder steigen? Noch fahren Länder wie die USA eine Niedrigzinspolitik, und auch die Europäische Zentralbank behält ihren Leitzins auf einem niedrigen Niveau. Diese Zeiten können jedoch bald ein Ende haben. Und dann werden vor allem die Zinsen steigen für Privatkredite. Noch liegen diese auf einem guten Niveau, vor allem Im Bereich der Bauzinsen. Bei einem Anziehen des Leitzinses wird dies wohl bald ganz anders sein.
Wir, die Europäer und ganz besonders Deutschland, sind der Meinung, dass die Reduktion von Defiziten für ein nachhaltiges Wachstum, das wir schaffen wollen, unabdingbar ist“, sagte Kanzlerin Merkel in Berlin, bevor sie in den Flieger nach Kanada stieg. Doch es wird sich erst zeigen müssen, wie sehr die Europäische Union eigentlich wirklich zusammenhalten wird. Denn immer wieder zeigt sich, wie sehr uneins Europa in sich ist, wenn es um die Zukunft geht, auch in Sachen Euro.
Zu Ihrer Information:
Viele wissen gar nicht, welche Länder und Staaten eigentlich zu den G20-Staaten gehören. Deshalb hier die genaue Auflistung.
Die 20 Mitgliedsstaaten der G20 sind:
- Argentinien
- Australien
- Brasilien
- Kanada
- China
- Frankreich
- Deutschland
- Indien
- Indonesien
- Italien
- Japan
- Mexiko
- Russland
- Saudi Arabien
- Südafrika
- Südkorea
- Türkei
- Großbritannien
- USA
- Europäische Union

