Im November wird der derzeitige Ratsvorsitzende der Europäischen Zentralbank abgelöst werden. Wer jedoch der Nachfolger von Jean-Claude Trichet wird, ist bislang noch offen. Einer, der berufen werden könnte, ist der derzeitige Vorstand der Bundesbank, Axel Weber. Doch wird der Fall Sarrazin für Deutschland womöglich zum Stolperstein Richtung EZB-Vorstand?
Man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Eines ist aber sicher: Thilo Sarrazin, ehemaliger Finanzsenator in Berlin, dann in den Vorstand der Bundesbank aufgestiegen. Wer jedoch dachte, Sarrazin würde damit zugleich von der großen Klappe zum schweigenden Mitglied des Bundesbank-Vorstandes werden, der hat sich gewaltig getäuscht. Es kam alles noch viel schlimmer.
Während Sarrazin mit seiner seltsamen Art der Kommunikation, was bei der Einwanderungspolitik falsch laufen könnte, nur innerhalb von Deutschland wirklich wahr genommen wurde, hat sich dies seit seinen jüngsten Aussagen geändert. Antisemitismus hat Deutschland in den letzten Jahrzehnten noch nie gut getan und wurde immer auch von einer weltweiten Aufmerksamkeit begleitet. Nun aber kommt einer daher, der auch noch zum Vorstand der Bundesbank gehört, die zugleich auch eines der Aushängeschilder unseres Landes in der Weltöffentlichkeit ist.
So könnte Thilo Sarrazin, ein Schwätzer, bei dem man nicht so genau weiß, ob hier seinem Gerede Kalkül steckt oder ihm einfach der gesunde Menschenverstand fehlt, den Weg des jetzigen Bundesbankvorstands Axel Weber zum Kopf der Europäischen Zentralbank ausbremsen.
Und letztlich ist vielleicht sogar egal, wie die Entscheidung der Bundesbank zur Personalie Sarrazin heute ausfällt. Es wurde zu lange abgewartet, bis gehandelt wurde. Einer wie Sarrazin darf sagen, was er mag, er hätte jedoch niemals in den Vorstand einer so wichtigen Institution berufen werden dürfen. Die Folgen davon, das beschädigte Image der deutschen Notenbank, wird möglicherweise über Jahre hinweg negative Auswirkungen haben – auf das Bild der Bundesbank und das Bild der Deutschen allgemein.

